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SÄUGLINGS“KOLIKEN“ — DIÄT, ARZNEIMITTEL ODER RUHE?

Lang anhaltendes Schreien des neuen Familienmitgliedes wenige Wochen nach der Geburt, typischerweise abends, beeinträchtigt nicht selten das Elternglück in den ersten Monaten und ist immer wieder Anlaß für Mißhandlungen durch überforderte Eltern (Schütteltrauma). Die Versicherung des häufig hinzugezogenen Kinderarztes, daß die Schreiepisoden des ansonsten gesunden und gut gedeihenden Sprößlings in der Regel im vierten bis fünften Lebensmonat von selbst verschwinden, mag betroffene Eltern nicht immer beruhigen, suchen sie doch nach einer plausiblen Erklärung und einer wirksamen Behandlung für ihr Kind.

Niederländische Praktiker haben jetzt die internationale Literatur der letzten 30 Jahre zur Wirksamkeit verschiedener therapeutischer Maßnahmen gesichtet und insgesamt 27 Studien zur Behandlung von „Dreimonats- koliken“ (Schreiepisoden von mindestens drei Stunden an mindestens drei Tagen pro Woche über mindestens drei Wochen) ausgewertet.

Entgegen der landläufigen Meinung schreien Säuglinge nicht weniger, wenn sie herumgetragen werden. Dagegen ist die Empfehlung hilfreich, das Kind weniger Reizen auszusetzen und es auch einmal liegen zu lassen, wenn das Schreien nicht mehr länger ertragen wird.

FAZIT: Säuglings“koliken“ betreffen 15% bis 25% aller Kinder in den ersten drei Lebensmonaten. Nach eingehender körperlicher Untersuchung zum Ausschluß einer organischen Ursache sind die oft verzweifelten Eltern über die Harmlosigkeit der Symptome aufzuklären und zu ermutigen, sich selbst nicht zu verausgaben und Überreiz-ung des Säuglings zu vermeiden. Bei Flaschenkindern wird ein einwöchiger Versuch mit hypoallergener Säuglingsnahrung auf Kasein- oder Molkebasis angeraten, stillenden Müttern versuchsweise der Verzicht auf Kuhmilchprodukte. Arzneimittel wie Simeticon (LEFAX u.a.) oder Spasmolytika sind nicht empfehlenswert.