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(Medical Tribune Kongreßbericht BAD ORB)

Baby-Tragegurte: Praktisch für die Mutter, gefährlich fürs Kind:

Welche Mutter schätzt ihn nicht, den praktischen Gurt, mit dem sie ihren Sprößling schon in den ersten Lebensmonaten herumtragen kann und trotzdem die Hände frei hat! Doch vom medizinischen Standpunkt ist diese Methode nicht unbedenklich. Sie kann dem Kleinen ganz schon ins Kreuz gehen und sogar die Atmung beeinträchtigen, warnte Dr. Uwe Goering, Kinderarzt in Pegnitz, auf der Practica.

Wenn es darum geht, wie man einen Säugling tragen sollte, wird oft auf die Naturvölker in Afrika und Asien verwiesen. Dort ist es weithin üblich, ein Kind in einem Tuch auf dem Rücken zu transportieren. Allerdings bewegen sich diese Frauen, etwa bei der Arbeit im Reis- und Hirsefeld, meist in gebückter Haltung. So wird das Kind in Bauchlage mit gespreizten Beinen herumgeschleppt und erfährt sogar noch eine kostenlose Spreizbehandlung. Hingegen gehen europäische Frauen aufrecht und tragen ihr Baby hängend. Was passiert dabei? Der Säugling nimmt eine Schiefhaltung ein, denn er kann ja noch nicht sitzen. Außerdem atmen Kinder unter einem Dreivierteljahr vorwiegend mit dem Bauch und nicht mit dem Thorax. Auf dem Bauch lastet nun aber das ganze Gewicht von Brustkorb und Kopf - das ist ein Atemhemmnis!

Ein Baby das länger in einer Tragevorrichtung am Bauch herumgeschleppt wird, macht oft einen besonders friedlichen Eindruck. Doch ist es nicht etwa wegen des Körperkontaktes ruhig, sondern weil es in Wirklichkeit einen Sauerstoffmangel hat, mahnte Dr.Göhring.

Ab welchem Alter kann man denn ein Baby unbeschadet mit dem Tragegurt oder -tuch mit sich herumschleppen, wollte Medical Tribune wissen. Kinderorthopäden halten Tragevorrichtungen erst für unbedenklich, wenn ein Kind frei sitzen kann, entgegnete Dr. Goering. Dann erst sind Band- und Muskelapparat so ausgerichtet, daß der Rücken diese Art zu Tragen schadlos übersteht. Allerdings sollte man ein Kind auch in diesem Alter noch nicht allzulang so transportieren. Spätestens, wenn das Baby schlafend im Gurt hängt, ist eine Pause angesagt.

Junge Säuglinge, empfahl Dr. Goering statt im Gurt lieber auf dem Arm zu tragen und ansonsten möglichst lang in einem Bettchen oder gut gefederten Kinderwagen ruhen zu lassen.

Nicht ungefährlich ist übrigens auch die derzeitige Schuhmode: Schuhe mit Streichholzschachtel-Absatz kann man gar nicht mehr ab rollen, die machen einen Gang wie ein Elefant. Also knallt immer das Eigengewicht des Kindes auf die kleine Wirbelsäule. Das gibt Mikrotraumen, die später zu Rückenbeschwerden führen, warnte der Kinderarzt.